Groupons kontroverse Super Bowl TV-Spots | Genial oder völlig daneben?



Der Rabatt-Anbieter Groupon sorgt gehörig für kontroversen Gesprächsstoff. Auslöser waren 3 TV-Spots, die während des traditionellen Schaulaufens der Kreativbranche, dem Super Bowl 2011, ausgestrahlt wurden.

Die amerikanischen Zuschauer fanden die Spots alles andere als lustig, und reagierten prompt mit zahlreichen negativen Äußerungen auf Twitter & Co. Die Top-Tweets hatten folgenden Wortlaut: “Dear Groupon – over a million Tibetans have been killed during Chinese occupation. Your ad wasn’t funny,” und ”Groupon seems to have achieved the unique feat of paying $3M to lose customers who previously loved them.” Auch wenn der geistlose Zuschauer die Message der Werbung wohl nicht verstanden hat, so kam Groupon damit immerhin auf Platz 3 der meist diskutierten Super Bowl Commercials 2011.

Sind die Spots nun aber wirklich völlig daneben und geschmacklos, oder sind sie vielleicht sogar genial?

Ich kann die negative Meinung der Zuschauer nicht teilen. Ich finde sie genial.

Die Spots sind für mich nicht nur banale Werbung zum reinen Selbstzweck, sondern spiegeln in gehörigem Maße den Zeitgeist unserer westlichen Konsumgesellschaft wieder, und schaffen Aufmerksamkeit nicht nur für Groupon, sondern auch für Naturschutz und politische Probleme.

Sind wir doch mal ehrlich zu uns selbst.

Wir alle wissen um die globalen Missstände. Doch ist es uns nicht wichtiger an unsere eigenen banalen Vergnügen zu denken?

Was sagt uns der Rabatt-Händler Groupon also wirklich mit seiner Werbung?

Spot 1:
Die tibetische Kultur ist bedroht. Wen kümmert’s? Ich schlage mir lieber preisgünstig mit tibetanischem Essen den Bauch voll.

Spot 2:
Der brasilianische Regenwald ist bedroht. Aber hey … ist es für die durchschnittliche US-amerikanische Luxus-Tussi nicht viel wichtiger einen perfekt gewachsten Schritt zu haben?

Spot 3:
Die Wale sind bedroht. Hmm ja das ist schlimm … aber was geht mich das an? Außerdem macht es mir mehr Spaß ihnen mit Booten hinterher zu jagen und sie bei ihren lustigen Sprüngen zu beobachten.

Oder:
Wir könnten gemeinsam, mit dem durch Groupon gesparten Geld, etwas gegen diese Missstände unternehmen.

Man mag dem Werbetreibenden ja vorwerfen, dass seine Werbung auf den ersten Blick zwar unsensibel erscheint, dumm und verlogen ist sie aber sicher nicht. Sie hält uns ordentlich den Spiegel vor die Nase, und das noch dazu während der wohl dekadentesten Unterhaltungsveranstaltung der Welt.

Groupon nutzt seinen teuer erkauften Werbeplatz um 111 Millionen Amerikaner, an ihrem doch so heiligen Super Bowl Sunday, mit globalen Missständen zu nerven. Das ist doch wirklich eine bodenlose Unverschämtheit. Der Zuschauer will hier unterhalten werden und nichts von Problemen hören oder gar sehen. Einen kleinen Darth Vader der seine Macht nutzt um einen VW zu beschwören findet man da schon eher ganz große Klasse. Nicht dass ich den VW-Spot nicht großartig finde, aber er ist und bleibt letztlich Werbung zum reinen Selbstzweck. Auch das ist natürlich legitim. Ich verstehe aber nicht, warum man einem Werbetreibenden Vorwürfe macht, der über den reinen Selbstzweck hinaus noch Interessen vertritt, die uns alle betreffen sollten.

Doch was bedeuten die negativen Reaktionen denn nun für den Rabatt-Händler Groupon und seine Agentur?

Etliche Stimmen behaupten Groupon hätte sich mit diesem Einstieg in die Fernsehwerbung ein Eigentor geschossen, und die dafür verantwortliche Agentur Crispin Porter & Bogusky hätte auf ganzer Linie versagt.

Liebe Freunde und Branchenkenner ich sage da verschätz ihr euch mal wieder gewaltig.

Die Agentur CP+B hatte den Auftrag für seinen Kunden Aufmerksamkeit zu generieren, und hat diesen Auftrag mit Bravour gelöst. Wer glaubt, die kontroverse Diskussion sei nicht geplant gewesen, der kennt Crispin Porter & Bogusky nur zu schlecht. Die Jungs wissen sehr gut was sie tun, und sind immer noch ein Garant für Erfolg. Selbst nach dem Ausstieg von Alex Bogusky.

Die Kreativen von CP+B beweisen hier nur einmal mehr, dass Kontroversen einen erfolgreichen und effizienten Motor der Geschäftswelt darstellen.

Viele sogenannte Profis der Werbewelt neigen aber leider dazu, Beliebtheit mit wirtschaftlicher Effizienz zu verwechseln. Sie fahren lieber den reinen lustigen Kuschelkurs, um auch ja jedem Konsumenten nach dem Mund zu reden, und der scheinheiligen populären Meinung gerecht zu werden.

Ich sage großartig Groupon und großartig CP+B.

Wer die Super Bowl Commercials jetzt nicht mehr so beschissen findet, der ist aufgerufen auf der Spendenseite von Groupon http://savethemoney.groupon.com eine Spende für The Tibet Fund, The Rainforest Action Network oder Greenpeace abzugeben.

Wer aber mit kritischem Humor immer noch nichts anzufangen weiß, der sollte erst recht Spenden, seinen Kommentar hinterlassen, oder bis in alle Ewigkeit schweigen. ;-)

Groupon hatte übrigens bereits mit einem Greenpeace Deal $200.000 gesammelt, um etwas gegen den kommerziellen Wahlfang zu unternehmen.

Augmented Reality in der Werbung |
Hype oder kreative Innovation mit Mehrwert?

Augmented Reality

Anzeigen in Magazinen werden durch Smartphone-Apps zum Leben erweckt. Im Online-Shop kann man Brillen virtuell anprobieren. Mit Hilfe einer Webcam flitzt ein BMW Z4 über den eigenen Schreibtisch.

Augmented Reality heißt das Zauberwort. Die sogenannte erweiterte Realität ist schon seit einiger Zeit ein beliebtes Spielzeug der Kreativbranche. Doch was kann sie wirklich leisten? Sind Augmented Reality Kampagnen nur ein Hype für Technik-Nerds oder bieten sie dauerhaftes Potenzial und sind mehr als nur Spielerei?

Derzeitig arbeitet die Mehrzahl der Anwendungen noch mit dem reinen WOW-Effekt der Aufmerksamkeit generieren, und eventuell viral für Reichweite sorgen soll. Ein Beispiel ist die Buzzmarketing-Aktion der Münchner Agentur Buzzinmonkey für das MINI Cabrio aus dem Jahre 2008.

Einige aktuellere Kampagnen gehen aber schon weiter, und bieten dem Nutzer nicht nur den rein technischen WOW-Moment, sondern erweitern die Erfahrung um zusätzlichen Spielspaß und Interaktivität. So lässt BMW den Z4 bunte Reifenspuren auf unseren Schreibtisch malen. Fast genauso wie im dazu passenden TV-Spot. Doch hier sitzt der Nutzer hinter den Pfeiltasten und darf das Fahrzeug navigieren.

Ganz aktuell präsentiert die Hamburger Agentur Leagas Delaney ihren Kunden Skoda mit einem interaktiven Web-Special. Der User darf den neuen Fabia RS mittels eines ausgedruckten Lenkrads in einem richtigen Rennspiel über verschieden Strecken steuern.

Neben Automobilherstellern, die ihre Fahrzeuge dreidimensional präsentieren, oder ausgereiftere Spiele entwickeln lassen, findet die Augmented Reality etliche weitere Anwendungsmöglichkeiten in der Werbung.

Auf dem Markt gibt es bereits Visitenkarten mit einem Marker, über den sich per Webcam zusätzliche Infos in Form von 3D-Videos oder Ähnlichem abrufen lassen.

Zeitschriften ergänzen ihre redaktionellen Inhalte mit interaktivem Augmented Reality Content.

Versicherungen wie AXA erwecken ihre Printkampagnen mit Hilfe des iPhones zum Leben.

So spannend all diese Beispiele derzeit aus technischer Sicht auch sein mögen, so hat die ein oder andere Anwendung doch noch so manche technische Hürde zu überwinden.

So sind Anzeigen, die lediglich für das iPhone konzipiert sind, für Android-User gänzlich unzugänglich und schränken sich selbst in der Reichweite künstlich ein.

Anwendungen, die erst einen Download und die Installation einer Software voraussetzen, sind nur dann interessant, wenn man sie auch mehr als einmal nutzen wird. Dafür müssen sie aber schon wesentlich mehr bieten als nur einen 360°-Produktshot.

Ein Problem ist sicher auch, dass die meisten Internet- oder Smartphonenutzer sich doch mit vielen technischen Dingen noch schwer tun, und froh sind, wenn sie eine E-Mail mit Anhang verschicken können.

Ziel muss es demnach sein, die Anwendungen möglichst einfach für den Benutzer zu gestalten, und ihm die technischen Hürden weitgehend abzunehmen.

Am POS sieht es aber schon ganz anders aus. Hier muss der User sich nicht um die technischen Voraussetzungen kümmern. Augmented Reality hat hier großes Potenzial. Ganz gleich ob es um zusätzlich relevante Produktpräsentation, reine Unterhaltung oder sogar Tierschutz geht.

In Japan gibt der Spiegel in der Kosmetikabteilung im Kaufhaus bereits Schminktipps und präsentiert diese auf dem lebendigen Spiegelbild der Kundin.

Beim Weihnachtsshopping wird der Kunde mit Hilfe der Gesichtserkennung schnell zum Engel oder Weihnachtsmann. Ein Spaß für Groß und Klein.

Leo Burnett Moscow zeigt auf eindrückliche Weise wie sich Augmented Realtiy in Kampagnen integrieren lässt. Für den WWF stellt die Agentur AR-Spiegel in Modeboutiquen auf und erzeugt mit überraschenden Schrecksekunden Aufmerksamkeit für den bedrohten sibirischen Tiger.

Wie die Beispiele zeigen, bietet die Augmented Realtity schon jetzt vielseitige, spannende und kreative Anwendungsmöglichkeiten für Werbetreibende und Agenturen. Technische Innovationen generieren derzeit schnell Reichweite und Awareness.

Doch was bleibt letztlich für den Verbraucher? Bietet die erweiterte Realität ihm einen Mehrwert, der über die rein technische Neuerung hinaus geht? Erhält er Informationen und Erfahrungen, die er mit anderen technischen Mitteln nicht schon längst hat, auch bekommen können?

Online-Spiele präsentieren Automobilhersteller schon lange im Netz. 360°-Produktshots sind auch nichts Neues. Zusätzliche Informationen über Personen, Produkte oder Kampagnen konnten bisher im Netz auch über eine URL abgerufen werden.

Im Großen und Ganzen wird schnell klar, dass sich derzeit im Wesentlichen nur die technische Übertragung und Steuerung geändert hat. Inhalte und Erlebnisse sind häufig gleich geblieben und können auch auf andere Weise kommuniziert werden.

Anwendungen, die nur auf dem technischen Hype schwimmen, könnten den Konsumenten recht schnell langweilen.

Interessant wird es aber, wenn es der AR-Anwendung gelingt, für den Verbraucher relevante Inhalte und Informationen auf eine Art zu kommunizieren, die andere technische Mittel gar nicht, oder nur schwer transportieren können. Beispiele dafür finden sich aber auch heute schon im E-Commerce und am POS. (virtuelle Spiegel, virtuelle Anprobe in Online-Shops usw.)

Gegenwärtig befinden wir uns eben noch in der Experimentierphase. Alle bisher vorhandenen AR-Anwendungen haben ihre Daseinsberechtigung. Technische Möglichkeiten müssen spielerisch ausprobiert und weiter entwickelt werden. Langfristig wird sich dann zeigen welchen beständigen Platz die Augmented Reality in der Werbung einnehmen wird, und welche Applikationen und Features der Verbraucher dauerhaft nachfragt.

Ich denke aber auch hier wird es auf lange Sicht notwendig sein, dem Konsumenten relevante Inhalte anzubieten, die über den rein spielerisch, technischen Hype- und WOW-Effekt hinausgehen.

Die Zukunft wird es zeigen.

Ideendünger #1 | Der Boden für gute Ideen | -Wir lieben Ideen-


Ideen sind wie heranwachsende Pflänzchen. Manche sprießen zunächst erst schwächlich, andere keimen schon stark und robust. Doch jeder Idee droht der Tod, fällt sie nicht auf fruchtbaren Boden, wird sie nicht gehegt und gepflegt, im Heranwachsen beschnitten und gedüngt, oder fehlt ihr die Kraft und der Lebenswille.

In Werbeagenturen sterben Ideen den Massentod.

Es herrscht das Gesetz der Natur: Nur die Stärksten überleben.

Dieser Tod bringt, wie jede Trennung, Trauer mit sich. Wir müssen lernen, Abschied zu nehmen. Lassen wir die schwächeren Ideen los, um den Starken Platz zu machen.

Verständlicherweise lieben wir unsere Ideen. Ideen sind unsere Leidenschaft und Lebenselixier. Wir dürfen sie auch lieben und uns an ihnen erfreuen. Jedoch sollten wir dabei nie zu selbstverliebt werden, und uns nur den eigenen Ideen liebevoll zuwenden.

Findet ein Kollege (und sei es auch die Putzfrau der Agentur) eine kraftvollere Idee als wir selbst, so sagen wir zur eigenen Idee:

“Liebe Idee es war schön dich gefunden zu haben, doch leider müssen wir uns heute voneinander verabschieden. Ich behalte dich in guter Erinnerung, und so Gott will, sehen wir uns eines Tages wieder.”

Ist der Trennungsschmerz zu groß, so können Rituale beim Loslassen helfen. Zünden wir doch einfach abends ein Kerzchen an, zum Andenken an all unsere verlorenen Ideen, und freuen uns auf den nächsten Tag voller neuer Inspirationen. ;-)